Neugraben ist schön – Wald und Heide, Elbe und das Alte Land mit seinen riesigen Obstanbauflächen  bieten Natur  und  Abwechslung.  Es lebt sich hier gut,  dafür sorgen ein angenehmes  Wohnumfeld, und Hilfe bieten viele soziale Einrichtungen an.

Wie aber entstand dieser Ort, der sich seit fast 500 Jahren zu einem großen Stadtteil Hamburgs entwickelt hat. Einem Stadtteil, von dem es heißt, das seine weitere Zukunft hoffnungsvoll istl

Aus der letzten Eiszeit vor 18.000 Jahren sind uns als Zeugen der Scheinberg und der Falkenberg erhalten geblieben. Spuren ältester Besiedlung sind auf dem Geestrücken zwischen Ehestorf und dem Südrand der Fischbeker Heide bis Daerstorf/Neu Wulmstorf  gefunden worden. Schon vor 4000 Jahren begann hier die Ansiedlung von Menschen.

Noch heute steht der Falkenberg als Erkennungsmerkmal an einer besonderen Stelle, wenn man von Neugraben spricht. Der Hamburger Lehrer Frohböse beschäftigte sich intensiv mit der Erforschung des Raumes um den Falkenberg. Nach seinen Erkenntnissen bestand auf der künstlich abgeflachten Kuppe des Falkenberges vom 6. Bis 11. Jahrhundert eine Flucht- oder Dynastenburg (Fluchtort für das Herrschergeschlecht, das damals regierte), die vor Angriffen der Normann oder Wikinger von der Elbe her schützen sollte. Wenn man diesen Gedanken weiter verfolgt, müssen aber auch Menschen in der näheren Umgegend gelebt haben, die dort in Notzeiten Schutz suchen konnten. Noch heute sind einzelne Stellen der verfallenen Wallanlagen am Berghang zu erkennen. Längst ist die Burg verfallen. Sie soll aber noch um 1500 die Kumpane des Seeräubers Störtebeker aufgenommen und ihnen Schutz geboten haben. In sagenhaften Erzählungen wird  vom Kiepenkerl und den Diebeskuhlen berichtet.

Sicherlich ist es möglich gewesen, den Falkenberg von der Elbe her mit einem Schiff zu erreichen, denn ein Kanal führte von der Elbe her nach Neugraben. Er endete durch die Falkenbek beim  Falkenteich am Falkenberg. Dieser Kanal hieß  „der neue Graben“. Neugraben verdankt ihm seinen Namen.

Die erste urkundliche Erwähnung ist einer Karte zu entnehmen, die der Lüneburger Maler Daniel Frese für den Herzog von Harburg im Jahre 1577 angefertigt hat. Die Besitzung des Herzogs mit der Festung und dem Ort Harburg stellt sich dort als Mittelpunkt dar. Der Neue Graben mit der Falkenbek bildete die Westgrenze des Herzogtums. Diese Grenze wurde 1750 noch markiert durch den „Stein Amt Moisburg“ in dem Bauernforst. Östlich also lag das Amt Harburg und westlich das Amt Moisburg. Dadurch  wurde 1561 das  Harburger Herzogtum etwas vergrößert. Es bestand aber nur bis 1649. Aus der Falkenbek wurde ein Scheibek=Scheidebach mitten durch den Ort Neugraben führte. Die Grenzziehung blieb bis 1937 erhalten.

 Vor 500 Jahren lagen noch keine Dörfer zwischen Buxtehude und Harburg. Das sumpfige Randmoor und der trockene, humusarme Sand der Geestkante versprachen kein lohnendes Betreiben von  Ackerbau und Viehzucht. Erst als im Laufe des 15. Jahrhunderts die Dritte Meile des Alten Landes – zwischen der Este und Moorburg – nach mehreren Sturmfluten wieder kultiviert wurde,  konnte mit der Entwässerung des Moores begonnen werden und  die Urbarmachung einsetzen.

Das Dorf Neugraben entstand um 1510. Ganz genau kann keine Jahreszahl genannt werden. Ein J. F. Heinrich Müller, Bötersheim, beschäftigte sich mit der Forschung über diese Epoche, und von ihm wurde festgestellt, dass Neugraben um die Zeit zwischen 1509 und 1517 entstanden sein muss.  Er wusste auch zu berichten, dass  zu dieser Zeit der bremische Adlige Johann v. Luneburg Amtmann des Mühlenhofes zu Buxtehude war. Der „Mühlenhof“ wurde als Verwaltungsstelle des Erzbischofs von Bremen genannt. Ein Amtmann Luneburg verwaltete dessen Liegenschaften und Einnahmen aus dem Fürstentum Lüneburg, zu dem  auch das Gebiet von Neugraben gehörte.

Im Spätmittelalter besaß der Erzbischof von Bremen große Ländereien östlich des Falkenbeeks. Der Falken- oder Scheebeek (Schee von Schede = Grenze)  teilte Neugraben jahrhundertelang in zwei Teile, einen östlichen, der auf dem ehemaligen Grund und Boden des Mühlenhofes entstand und einen westlichen, dessen Grundherr der Herzog zu Braunschweig-Lüneburg war. Der Herzog wurde vertreten durch den Amtmann zu Moisburg. Der östliche Ortsteil gehörte gerichtlich zum Amt Harburg,  während der westliche zum Amtsgericht Moisburg gehörte.

Harburgisch Neugraben wurde von den beiden Ortsteilen als erster besiedelt.  In moisburgisch Neugraben ließen sich etwas später Menschen nieder. Auf jeden Fall geschah dies aber in der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts, denn 1544 gab es dort 4 kleinere Bauernhöfe, die „4 Kothen“. Der erste Bauer in Neugraben hieß Gödeke Tidemann. In der Urkunde heißt es: „Er hat Acker gemaket, geplögelt und togebraket (urbar gemacht)“.  Es stießen also 2 Verwaltungsbezirke innerhalb des Ortes Neugraben aneinander. Das westliche Neugraben wurde von Moisburg und das östliche Neugraben von Harburg verwaltet. Die Einwohner, die auf der Fischbeker Seite – also im Moisburger Teil – wohnten, gehörten kirchlich zu Elstorf. Diejenigen, die zum harburgischen Neugraben gehörten, mussten sich zum Kirchgang nach Sinstorf begeben. Die schnell wachsende Gemeinde brachte mehr Arbeitsplätze, und so konnte um 1851 mit dem Bau einer Straße nach Buxtehude begonnen werden. Die  „Provinzial-Chaussee“ – unsere heutige Cuxhavener Straße – damals noch ein Sandweg – brachte den Verkehr in Bewegung. Weiter in der Entwicklung Neugrabens ging es als 1871 die Unterelbe Eisenbahn eingeweiht wurde. Bis zum Jahre 1937 gehörte Neugraben zu Preußen, dann wurde es in den Stadtstaat Hamburg eingemeindet.

 

 

 

 

 

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